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Ich bin da

Ermutigungen auf Pfingsten hin
Pfingsten ist das Fest der Ermutigung. Am 50. Tag nach der Auferstehung Jesu wurden die Apostel vom Heiligen Geist erfüllt und begannen voll Mut und Kraft die Botschaft von der Auferstehung zu verkündigen. Im Blick auf das Pfingstfest und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie tun auch uns heute Worte der Ermutigung, der Hoffnung und der Zuversicht gut.
Dr. Gerhard Reitzinger, Geistlicher Leiter der Pastoralen Dienste, greift in seinem Beitrag das Thema der Heilig Geist Novene auf.

„Ich bin da.“ Das ist wohl die schönste, kostbarste und eine sehr beglückende Zusage. Ob mit Worten oder mit kleinen Gesten, ob in langen Gesprächen oder in kurzen Begegnungen, wir brauchen einander auf vielfältige Weise. Und wir wollen, ja wir müssen es spüren, greifen, riechen, ganz einfach mit allen Sinnen wahrnehmen. Die letzten Wochen haben gezeigt, manchmal auch schmerzlich und verstörend, wie sehr wir die Begegnung und leibliche Präsenz brauchen. Wo das fehlt, da wird unser Leben ärmer, kühler, leerer, ja sogar krank.

Als Christen haben wir eine besondere Sendung. Wir können und dürfen diese „ich bin da“-Zusage auch als Wesen und als Namen Gottes bezeugen. „Ich bin da – und ich werde da sein, was auch immer passiert in deinem Leben!“ So zeigt sich Gott dem Mose im brennenden Dornbusch und so bezeugt Jesus Gott in seinem ganzen Dasein, auch im Leiden und Sterben am Kreuz. Ich bin da, manchmal deutlich spürbar in Wort und Tat. Und im nächsten Moment nur im Hauch des Atems zu erahnen oder zu erhoffen! Jede und jeder von uns hat die Begabung dazu, etwas dafür zu tun. Wir können Zeugin und Zeuge dieser Nähe Gottes für andere werden. Auch wenn wir weiterhin Abstand halten müssen, gilt es diese Begegnung zu suchen und neu zu pflegen. Das geschieht in alltäglichen Situationen oder – wenn es anders nicht geht – auf kreative Weise über den Gartenzaun, an der Türschwelle, am Fensterbrett. Zum anderen in kleinen Gruppen bei pfarrlichen Zusammenkünften mit Erstkommunionkindern, Firmlingen, Gebetskreisen, Frauen- und Männerrunden etc. Es mag für manche ungewohnt sein, aber es ist für alle Altersgruppen heilsam, bereichernd und stärkend.

Manche Leute fragen nach konkreten Anweisungen. Seit meinem Theologiestudium vor über 25 Jahren begleitet mich das Wort „Folge deinem Herzen, es kennt deinen Weg.“ Gerade das Pfingstfest ermutigt uns, dem Geist Gottes und seinem Wirken in unserem Herzen zu trauen. Gott kommt uns mit seiner Gnade zuvor. Er wirkt schon längst, bevor wir etwas tun. Wir dürfen aber Zeugen seiner Nähe und seiner Präsenz sein. Denn die Welt soll durch uns mit allen Sinnen wahrnehmen: „Gott ist da“. Ich glaube daran und lebe dafür. Und das sollst auch du spüren!

(Erstveröffentlichung in: Kirche bunt 2020, Nr. 21)